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Sozialseminar Dortmund-Brackel
Abenteuer "Älterwerden": Brigitte Denecke und die Frauengeschichte(n)
Über den Tellerrand gucken … und „unerhörtes Leben zur Sprache bringen“ durch die Auseinandersetzung mit den Biografien von Frauen. Das möchte Brigitte Denecke im Dortmund-Brackeler Sozialseminar ermöglichen.
Im Winter 1999/2000 initiierte sie gemeinsam mit Waltraud Grohmann ein Seminar für Frauen des Stadtteils bzw. der Gemeinde, das mittlerweile zum beständigen Angebot zählt. Den Anlass gaben damals Gespräche mit Frauen nach dem Gottesdienst, die äußerten, dass sie sich gerne mit anderen in einem Gesprächskreis treffen würden, um sie bewegende Themen zu bearbeiten. Tatsache ist, dass viele Frauen mit zunehmendem Alter allein leben, weil sie verwitwet sind oder die Pensionierung, der Wegzug der Kinder o.ä. eine Neuorientierung nötig machen. So stand die erste Seminarreihe unter dem Thema „Abenteuer älter werden – eigene Lebenserfahrungen, -perspektiven und -wünsche“.
Das Seminar begann dann – wie bei einem neuen Angebot nicht anders zu erwarten - zunächst etwas zögerlich bezogen auf die Anzahl der Teilnehmerinnen. Brigitte Denecke ließ sich aber davon, aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen in der Bildungsarbeit, nicht beirren. 10 Jahre Engagement in der Telefonseelsorge, 10 Jahre VHS-Dozentinnentätigkeit, jahrelange freie Frauenbildungsarbeit bei unterschiedlichen Trägern und ihre Qualifikation als Diplom-Pädagogin sind das Fundament, von dem aus sie sagen kann: „Man muss auf sein Angebot aufmerksam machen. Wenn die Leute nichts davon wissen, können sie auch nicht kommen.“ Also machte sie Werbung in der Lokalpresse und durch „Mundpropaganda“. Mittlerweile gehören rund 16 Frauen zwischen 57 und 82 Jahren zum festen Seminarstamm. Scheiden Frauen aus, so rücken neue nach. Es gibt sogar eine Warteliste, denn die Größe des Gruppenraumes im hübschen alten Fachwerkhaus Beckhoff setzt auch der Größe der Gruppe Grenzen. Die Gruppe ist beliebt und angesichts der engagierten Vorbereitung und Begleitung durch Brigitte Denecke ist das allzu verständlich. Ständig ist sie auf der Suche nach „interessanten Frauen“, deren Biografie in der Gruppe beschrieben, historisch eingeordnet und bewertet wird … und dazu führt, dass die eigenen biografischen Erfahrungen der Teilnehmerinnen eingebracht werden können. „Das sind wahre Entdeckungsreisen zu bisher unbekannten, oft auf sehr spezifische Weise widerständigen Frauen, auf die sich die Gesprächsgruppe begibt“, sagt B. Denecke und fügt glücklich hinzu: „Die Frauen sagen, dass sie immer bereichert und nachdenklich aus dem Seminar gehen und das freut uns natürlich.“ Und das gibt ihr, der – wie sie selbst sagt – Teamarbeiterin, die Motivation, die nächsten Treffen mit Waltraud Grohmann vorzubereiten. „Ich schaue besonders darauf, was Frauen gemacht haben, die zunächst chancenlos schienen oder einen Weg nahmen, der nicht vorbestimmt war.“
Bei Brigitte Denecke ist das Interesse an solchen Frauengeschichten spürbar und auch schnell nachvollziehbar, wenn sie von ihrem eigenen Werdegang berichtet, in dem z.B. ein Studium ursprünglich nicht möglich war. Sie hat ganz offensichtlich Spaß daran, Nischen zu suchen und „Neues auszuprobieren“, wenn es an der Zeit scheint. So hatte sie auch schon Anfang der 70er Jahre gemeinsam mit anderen die sog. „Montagsgespräche“ zu aktuellen Themen im Raum der Brackeler Gemeinde mit organisiert.
Damit auch in der seminarfreien Zeit der Kontakt unter den Frauen nicht abreißt, organisiert sie für das Brackeler Sozialseminar mit der Kollegin Fahrten zu Ausstellungen, Projekten oder Stadtführungen, die thematisch „passen“.
Übrigens: Die nächsten Biografien, mit denen sich die Gruppe beschäftigt, stammen aus dem Buch “Mut“, Frauen in der DDR. Dort werden meist wenig bekannte widerständige Frauen aus Ostdeutschland portraitiert und deren „richtiges Leben im falschen System“.
Kontakt:
Brigitte Denecke, Dortmund
Tel.: 0231/251299



